Marie Octavie Sturel Paigné – Die Malerin der Blumen

Marie Octavie (Octavia) Sturel Paigné wurde am 7. Mai 1819 in der Stadt Metz im Nordosten Frankreichs geboren. Ihre Eltern waren Jacques Paigné, ein ehemaliger Hauptmann der Kaiserlichen Garde, und Catherine Meunier. Schon in jungen Jahren wurde Marie zur Waise. Im Alter von 16 Jahren wurde sie in das Atelier von Laurent-Charles Maréchal geschickt. Maréchal leitete den künstlerischen Kreis um die Schule von Metz, in dem Öl- und Pastellmalerei, Zeichnung, Gravur, Glasmalerei und sogar Bildhauerei praktiziert wurden. Der Kreis von Künstlern, zu denen auch Louis-Théodore Devilly gehörte, ließ sich von den Werken Delacroix’ inspirieren, die romantische Landschaften sowie exotische Themen mit orientalischen Figuren und historischen Motiven darstellten. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und die anschließende Annexion von Metz setzten diesem Künstlerkreis ein Ende.
Maréchal wandte sich wieder der Pastellmalerei zu, und seine Schülerin folgte dem Beispiel ihres Lehrers. Marie stellte nacheinander ihre Pastellwerke Das Mädchen mit dem Rosenkranz, Die Winde-Girlande und Die Ekstase der heiligen Elisabeth von Ungarn aus. Auf Anraten ihres Lehrers gab Marie die Porträt- und Figurenmalerei nach und nach auf und widmete sich vollständig den Stillleben. Schon bald erreichten ihre mit Pastell ausgeführten Blumen- und Fruchtkompositionen eine außergewöhnliche Wirklichkeitsnähe und Vollkommenheit. Maries erste Werke beeindruckten das Publikum, und ihre Gemälde wurden zwischen 1844 und 1853 im Pariser Salon neben den Werken bedeutender Künstler ausgestellt. Im Jahr 1852 wurden zwei ihrer Blumengemälde in der Société de l’Union des Arts ausgestellt. Eines der Werke zeigte einen Strauß Stockrosen, das andere einen Strauß Pfingstrosen und Schwertlilien. Beide Gemälde lösten unter Kunstliebhabern und Künstlern große Begeisterung aus. Die Blumensträuße waren so realistisch und beliebt, dass sie 1853 erneut im Salon ausgestellt wurden. Ein Kunstkritiker äußerte sich in dem ersten Artikel über die Ausstellung und schrieb: „Die Ehre gebührt zwei Frauen“, von denen eine Frau Sturel Paigné war. Auch Kaiserin Eugénie, die die Ausstellung besuchte, war von Maries Blumen begeistert und beschloss, ihre „Blumensträuße“ für ihr Zimmer im Schloss von Saint-Cloud in der Île-de-France, der Region um Paris, zu erwerben. Die Werke wurden nach dem Salon von 1853 für die kaiserliche Sammlung erworben, zusammen mit einem weiteren Pastell von Marie Octavie Sturel Paigné.
Maries beruflicher Erfolg wurde auch von persönlichem Glück begleitet. Die seit 1845 mit Alexandre Sturel verheiratete Künstlerin erwartete ihr zweites Kind. Marie und Alexandre hatten bereits eine Tochter, doch die Künstlerin wünschte sich einen Jungen. Ihr Glück sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Drei Tage nach der Geburt ihres zweiten Kindes starb Marie im Januar 1854 im Alter von 34 Jahren.
Die von Marie Octavie hinterlassenen Werke umfassen etwa 130 Gemälde und Zeichnungen.


