Das Tagebuch von Julie Manet

Julie Manet wurde am 14. November 1878 in Frankreich geboren. Sie war die Tochter der impressionistischen Malerin Berthe Morisot und die Nichte durch Heirat von Édouard Manet. Julie wurde selbst Malerin und führte ein wertvolles Tagebuch, das das künstlerische Leben in Paris am Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert.
Julie begann ihr Tagebuch im Jahr 1893 im Alter von 15 Jahren. Die junge Jugendliche bewegte sich im Kreis bedeutender Künstler wie Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas und Stéphane Mallarmé. Letzterer wurde nach dem Tod ihrer Mutter ihr Vormund. Berthe Morisot starb 1895 an einer Lungenentzündung. Julie war zutiefst erschüttert, und der Ton ihres Tagebuchs veränderte sich von diesem Moment an – es wurde zu einem Zufluchtsort, in dem sie ihren Schmerz ausdrücken konnte.
Das Tagebuch von Julie ist ein Raum der Beobachtung der Kunstwelt. Es enthält Beschreibungen von Atelierbesuchen, Gespräche mit berühmten Malern, Reflexionen über Kunst, Literatur und Musik sowie ihre Gefühle nach dem Verlust ihrer Mutter.
Julie beschreibt einen Besuch bei Renoir. Sie beobachtet sein Atelier mit Neugier und schildert die entstehenden Gemälde. Sie bemerkt, wie sanft der Maler arbeitet, trotz der Schmerzen, die bereits seine Hände beeinträchtigen.
Sie spricht oft über Edgar Degas, einen engen Freund der Familie. Sie beschreibt seinen manchmal schroffen Charakter, seine Ironie, aber auch seinen brillanten Geist.
Die junge Frau beschreibt die „Dienstage“ bei Mallarmé – Treffen, bei denen über Poesie und Musik diskutiert wurde, und vermittelt die besondere Atmosphäre dieser Abende.
Es war Berthe Morisot, die Julie am häufigsten malte, unter anderem in Werken wie Julie au berceau (1878) und Julie rêvante. Renoir porträtierte sie als Kind. Édouard Manet malte sie als Baby, kurz nach ihrer Geburt. Degas fertigte Zeichnungen und Studien an, in denen Julie erscheint.
Julie liebte es, Poesie zu lesen, französische Klassiker und manchmal auch Werke auf Englisch. Ihr Interesse an Literatur wurde stark von Stéphane Mallarmé beeinflusst, der sich persönlich um ihre Bildung kümmerte.
Nach ihrer Heirat mit Ernest Rouart, ebenfalls aus einem künstlerischen Umfeld, wurde sie als Julie Manet Rouart bekannt. Sie verfolgte keine öffentliche Künstlerkarriere wie ihre Mutter, spielte jedoch eine wichtige Rolle bei der Bewahrung und Weitergabe des Werks von Berthe Morisot. Sie trug dazu bei, die Archive und das Umfeld der Impressionisten zu erhalten.



